Tag 36: Manchmal kommen Kängurus anders als man denkt

Wir richten uns heute endgültig in unserem Camper ein und fahren durch die ‚Grampians‘. Hier locken eine einzigartig dünenhaft geformte Bergkette und wilde Kängurus, Wallabies und weitere australische Tiere.

Nach der mehrtägigen Fahrt an der Küste nach Westen drehen wir nun ab und fahren über einen Bogen in das Landesinnere zurück und vorbei an unserem Ausgangspunkt Melbourne, um unsere Weiterfahrt an der Ostküste zu beginnen. Dabei trifft es sich gut, dass auch Australiens Nicht-Küsten-Bereich das eine oder andere zu bieten hat. In unserem Fall die ‚Grampians‘, einen National Park, der um eine spannend geformte Bergkette angelegt wurde, mit sehr vielen Wanderwegen, tollen Radtouren und ein paar mit dem Auto erreichbaren Aussichtspunkten.

Zuvor jedoch machen wir unseren zweiten Großeinkauf. Als unerfahrene Camping-Mobil-Fahrer hatten wir beim ersten Einkauf noch ein paar basale Dinge wie Seife und Küchenrolle vergessen. Auch Nicolas Essensvorrat muss noch weiter ausgebaut werden. Das holen wir heute nach und machen den Camper nun richtig zu unserem Zuhause.

Nach vier Stunden Fahrt, gegen Ende hin durch wunderschöne Eukalyptuswälder, erreichen wir den Ausgangsort zur Erkundung der Grampians, Halls Gap. Als wir vor dem Visitor Center aussteigen, werden wir in den wunderbaren, sofort an Emeukal-Hustenbonbons erinnernden Duft der Eukalyptus Bäume eingehüllt. In der sehr guten Information erfahren wir die für uns beste Art, den Park an einem Nachmittag zu erleben. Wir bekommen ein paar Fahr- und Wandertouren empfohlen, die uns schöne Ausblicke in verschiedene Täler und das Treffen wilder Kängurus und Wallabies versprechen. 

Die erste Tour bringt uns nach Fahrt und kurzer Wanderung an einen Ausblick, der uns den Rücken der bewaldeten Bergkette zeigt, der recht spannend ausssieht, da man sehr gut die Felsplatten erkennen kann, die sich beim entstehen der Berge wie ein Echsenpanzer aufgeschuppt haben. Dazu sehen wir einen aufgestauten Bergsee sowie das weite, flache australische Tiefland dahinter.

Die zweite Tour besteht aus einer Bergstraße, von der zwei kurze Spaziergänge abgehen, sowie die Überreste der ersten australischen Urlaubsanlage aus dem 19. Jahrhundert zu sehen sind. Der erste Spaziergang führt uns zu dem ‚Balconies‘ genannten Aussichtspunkt mit 180 Grad Sicht über die dicht bewaldeten, sanft ansteigenden Berge. Der zweite bringt uns zu den McKenzie-Falls, kleine Wasserfälle, die in einen sehr kleinen Tümpel fallen. Eine sehr steile und sehr lange Treppe mit vielen Eidechsen sorgt dafür, dass man hier relativ ungestört bleibt (und die Nicolas schleppende Anja viele anerkennende Kommentare bekommt). Sehr schön!

Zuletzt wartet das Zumstein auf uns: Am Ende der Bergstraße kommen wir auf einen Parkplatz. Laut unserem Reiseführer sammeln sich hier in der Früh- und Abenddämmerung Kängurus und Wallabies. Wir sind pünktlich hier, die Tiere bleiben allerdings aus. Wir gehen ein wenig spazieren, um uns die Zeit des Wartens zu vertreiben, und erfahren, dass die zerfallenen Gebäude vor über hundert Jahren vom Ehepaar Zumstein errichtet wurden und die erste Ferienanlage Australiens darstellen. Nachdem aber auch nach 20 Minuten Warten weit und breit keine der genannten Tiere auftauchen (dafür aber wilde weiße Kakadus!), beschließen wir, die Bergstraße nach ein paar Aufnahmen wieder hinunter nach Halls Gap zu fahren. Da mittlerweile aber Abendessenszeit für Nicolas ist und er in diesem Punkt keine Verzögerung duldet, manövriere ich den Camper die Serpentinen hinunter, während Anja versucht, den Breilöffel in Nicolas Mund zu manövrieren. Füttern für Fortgeschrittene.

Direkt am Ende der Bergstraße, wieder in Halls Gap angelangt, treffen wir unvermutet auf eine grosse Gruppe der von uns so ersehnten Kängurus, die dort friedlich auf einem Sportplatz grasen. Natürlich bleiben wir sofort stehen, steigen aus und studieren diese für uns so ungewöhnlichen Tiere mal aus der Nähe – sie lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen.

Nachdem es nun schon dunkel geworden ist und vom Fahren bei Dämmerung und Dunkelheit in Australien dringenst abgeraten wird (Känguru, Wallabi, Wombat und Koala-Wechsel drohen), bleiben wir direkt im Campingplatz vor Ort, der einen so tollen wie seltenen Late-Check-In Service bietet.

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