Tag 41: Je weißer der Strand, desto schwärzer der Tag

Wir besuchen heute den weissesten Strand der Welt und fahren wieder auf einer landschaftlich reizvollen Strecke, am Nachmittag aber nimmt das Unheil seinen Lauf.

Von unserem Camping Platz an der Batesmans Bay wollen wir heute an der Jervis Bay vorbei bis in die Blue Mountains. Wir checken pünktlich aus dem ‚Big4‘ Campingplatz aus und machen uns auf den Weg. Da wir schon lange keinen Zugang zum Internet mehr hatten, denn die WLAN Qualität auf den Campingplätzen bewegt sich zumeist im unterirdischen Bereich (daher auch die deutlich unregelmäßigere Aktualiserung des Blogs), beschließen wir, heute ein schönes Café mit leckerem Kaffee und Free WiFi zu besuchen. Zuerst steuern wir Hyams Beach an, den wir nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichen. Dort genießen wir den beinahe leeren Strand mit dem unglaublich weißen Sand, traumhaft klarem Wasser bei perfektem Wetter (tatsächlich steht Hyams Beach im Guiness Buch der Rekorde, für den weissesten Sandstrand der Welt), dann suchen wir ein passendes Café mit WiFi.

Im kleinen aber feinen Küstenstädtchen Huskisson etwas weiter im Norden werden wir endlich fündig. Das liebevoll gestaltete Cafe hat Hafenblick und sowohl Kaffee als auch die Internetanbindung ist hervorragend. Sogar zum Stillen wird hier per Aufkleber ausdrücklich ermuntert.

Nachdem ich alle bereits geschriebenen Posts online stellen kann und die Kaffees leer sind (und Nicolas gefüttert und gewickelt ist), fahren wir weiter Richtung Sydney.

Auf einer Landstrasse am Shoalhaven River kurz hinter Bolong passiert es dann: Das Kupplungspedal unseres manuell gechalteten Fiat Ducati kommt nach dem Drücken nicht mehr von selber zurück. Ein manuelles Zurückziehen funktioniert, jedoch hat die Betätigung des Pedals keine Wirkung mehr. Wir rollen noch geradeso an den Straßenrand und rufen umgehend Lucio, den Techniker von ‚Easy Live‘, an (es ist wie schon beschrieben eine kleine Firma).

Wir beschreiben das Problem und seine Ferndiagnose lautet auf Getriebeschaden. Dies sei vor sechs Wochen ausgetauscht worden… Wir vereinbaren, dass Anja und ich erstmal versuchen, von der befahrenenStraße runter in eine freundlichere Umgebung zu fahren, um dort länger und sicherer stehen bleiben zu können. Alles weitere würden wir dann im Verlauf des Resttages klären. Dazu erklärt mir Lucio, wie ich Auto trotz verklebten Kupplungsscheiben starten und fahren könne.

Es stellt sich heraus, dass Lucios Tipps funktionieren und wir rollen im dritten Gang los, um schon nach sehr kurzer Zeit eine Abbiegung zu finden, die zum Direktverkauf eines Weinbauern führt. Im dritten Gang kämpft sich unser Fiat den Berg dorthin hoch und wir parken das Auto auf dem Kundenparkplatz. Mittlerweile ist es kurz nach vier und wir warten auf einen Anruf von Lucio, um die weiteren Optionen zu besprechen.

Als er sich meldet ist es bereits fünf und es wird deutlich, dass heute keine Lösung mehr in Sicht ist. Gleichzeitig bittet uns der Gutsbetreiber, sein Gelände zu verlassen. Da unser Wagen nun nicht mehr startet, bietet er uns an, uns den Berg hinunter zu einer Parkbucht zu ziehen. Dies misslingt jedoch, da der Wagen sich nicht mehr auskuppeln lässt.

Der Gutsbesitzer ändert nun seine Meinung und erlaubt uns, auf seinem Kundenparkplatz zu übernachten. Dies ist auch nötig geworden, denn Lucio hat uns mittlerweile zwei Alternativen zur Auswahl gestellt:

  1. Warten bis zum übernächsten Abend oder dem Morgen in drei Tagen, dann könne er mit einem Ersatzfahrzeug bei uns sein. Dieser ist aber (noch) größer und wir können nicht zu dritt vorne sitzen.
  2. Ein Taxi bringt uns am nächsten Morgen in die nächste Stadt, wo wir ein Auto mieten, mit dem wir nach Sydney fahren. Dort hat er einen Vermieter gefunden, der einen sehr ähnlichen Camper wie unseren hat, der ab übermorgen Mittag zur Verfügung stünde.

Wir entscheiden uns für die zweite Option, denn wir müssen weiterkommen Richtung unserem Ziel Cairns und gestrandet auf einem Parkplatz zweieinhalb Tage mit einem Baby zu verbringen, ist kein Spaß. So müssen wir diesen Abend im Dunkeln unseren wohnlich eingerichteten Camper wieder in unsere Taschen verstauen. Da wir mittlerweile auch Lebensmittel und Dinge für den Camper eingekauft haben, sind es sogar ein paar Taschen mehr.

Nicolas ist zum Glück während der gesamten Situation heute Nachmittag äußerst pflegeleicht. Bis auf ein paar Hungerschreie, die wir sehr schnell befriedigen können, ist er den ganzen Tag der entspannteste von uns dreien. Unsere Gastgeber sind mittlerweile sehr freundlich geworden und bieten uns sogar ihre Hilfe an. Wir kommen ohne diese klar und übernachten auf dem Hügel des Two Figs Weingutes mit Blick auf den Shoalhaven River in malerischer Umgebung das letzte Mal in unserem Camper – es könnte hässlichere Orte für eine Autopanne geben.

Ein Gedanke zu „Tag 41: Je weißer der Strand, desto schwärzer der Tag

  1. Wie, Ihr habt kein gutes WLAN? Das gibt es bei uns in Georgien in jedem Bergkaff *winke*
    Schreibt doch noch mal, was Eure Knutschkugel so treibt! Mag er Sandstrand?
    Liebe Grüße
    Alexandra, Micha und Katharina

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